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Wie bekomme ich einen richtig amtlichen, fetten, super Basssound?

Ich werde häufig gefragt welchen Bass, welchen Verstärker man sich kaufen sollte, oder Effekt- Pedal sinnvoll wäre, damit man sich besser im Zusammenspiel mit seiner Band durchsetzt.

 

Es gibt Musiker, die wissen enorm viel über Frequenzen, Einstellungen an Equalizern, das aktuellste Equipment und können über Stunden mit leuchtenden Augen fachsimpeln.

Aber muss man ein solcher Experte sein, um einen guten Bass- Sound zu haben? Nein!

Über Sound lässt sich mindestens genauso leidenschaftlich diskutieren wie über die Frage, ob etwas „groovt“! Beides liegt grundsätzlich im Ohr des Betrachters.

 

In diesem BLOG geht es um Erfahrungen, die vermutlich viele von uns gemacht haben. Zuhause, beim Üben bist du mit dir und deinem Sound zufrieden. Bei Proben oder Auftritten bist du dann mit deinem eigenen Soundergebnis nicht mehr zufrieden. Woran kann das liegen? Die falschen Saiten, schlechter Verstärker? Soll man sich ein neues Instrument oder ein paar Effekte zulegen?

 

Natürlich sind für einen guten Sound dein Instrument, der Verstärker, Effekte, die Saiten, eine gute Spieltechnik und manches mehr wichtig. Aber das alleine ist es nicht.

Ich persönlich denke, man hat als Bassist einen guten Sound, wenn man das Gesamtbild einer Band akustisch bereichert, trägt, unterstützt und sich dabei klanglich auch noch selbst wohl fühlt. Die Rolle unseres Instrumentes ist von Musikstil zu Musikstil auch sehr unterschiedlich. In einigen Stilen ist der Bass eher im Hintergrund, in anderen Musikstilen tritt er stärker in den Vordergrund.

 

Als ich etwa mit 16 Jahren angefangen habe Bass zu spielen war Mark King dafür maßgeblich mitverantwortlich. Ich habe stundenlang meinen Bass mit dem Daumen bearbeitet. Meine ersten Bands hatten dann das zweifelhafte Glück einen angehenden Mark King- Imitator am Bass zu haben. Selbst bei Balladen kam mein flinker Daumen zum Einsatz.

 

Jeder von uns hat seine Lieblingsmusik, seinen Lieblingssound und entwickelt eine Art „Kopf- Kino“, beim Musikmachen. Manchen Standardklischees begegnen wir regelmäßig: Gitarristen mit einer Affinität zu härterer Musik, die ohne ihren Verzerrer und das Volume- Pedal nicht richtig glücklich werden oder Jazzgitarristen, die keinen Akkord in der Grundstellung spielen wollen oder können. Bei Keyboardern gibt es oft zwei Stereotypen: Zum Einen die “Pianisten”. Die können jeden Akkord sicher spielen, sind aber nicht sonderlich abwechslungsreich und kreativ in ihrem Soundangebot. Und dann gibt es noch die Technik- Verliebten. Die mögen es oft glockig, mit etwas Streichern und viel Hall im Abgang. Die kennen sich meist sehr gut mit den technischen Dingen an ihrem Instrument aus. Und da das schon viel Zeit in Anspruch nimmt, da bleibt das Spielen möglicherweise etwas auf der Strecke. Drummer sind nicht selten Rocker, die sich von der Location mit 50 Gästen auf das Wacken- Festival träumen, um dort alles zu geben. Und wir Bassisten sind gern eine gefühlte Mischung aus Jaco Pastorius/ Geddy Lee, mit einer Prise Mark King oder gehören der dröhnenden, wummernden Fraktion an, die genau weiß, dass es ordentlich „Druck“ braucht, um die Sache zum Rollen zu bringen.

Wie kriegen die Stars, die großen Bands, die routinierten TOP 40/ Cover-, Gala- Bands das hin, dass sie meist „wie von CD“ klingen? Gibt es geheime Formeln oder Tricks, die diese Bands und Musiker so viel besser klingen lassen? Auch hier ein klares Nein!

 

Natürlich benutzen die großen Stars und routinierten Bands, die in der Regel herausragende Musiker und Künstler sind, ausgeklügelte Technik, ein hervorragendes Monitorsystem, setzen Loops und Samples ein und haben eine große Entourage an Technikern und anderen Unterstützern um sich, die alle zusammenarbeiten, um ein Ergebnis zu schaffen, das uns als Fans begeistert.

 

Bands die nicht so gut und eher unausgewogen zusammen klingen machen meist einen eklatanten Fehler, indem die beteiligten Musiker, und das können Amateure, wie auch Profi- Musiker sein, die vielleicht eher vom Unterrichten und weniger vom Livespielen leben, ihr eigenes soundmäßiges Wohlfühlen weit über das Gesamt- Klangergebnis der Band stellen.

Man könnte einer x- beliebigen Amateurband, die seit Jahren gemeinsam spielen, das beste Equipment geben und trotzdem wäre der Gesamtsound nicht unbedingt besser. Auf der anderen Seite gibt es Anfängerbands, die unglaublich gut klingen, obwohl sie musikalisch noch sehr unerfahren sind und auf schlechtem Equipment spielen. Es gibt oftmals einen ganz einfachen Grund weshalb eine Band schlecht klingt und eine andere Band super klingt: Die Lautstärken sind im Verhältnis zueinander nicht ausgewogen.

 

Auf Sessions oder bei Gigs, auch als Zuhörer, merkt man oft schnell, dass manche Mitspieler vielleicht nicht die nötige Erfahrung haben, um Sound umzusetzen. Aber warum ist das so?

Über die Jahre haben sich Studiotechnik, der Klang von Musik und Instrumenten im Allgemeinen enorm weiterentwickelt. Schalten wir das Radio an oder hören unsere Lieblingsband auf Vinyl, CD oder Spotify, dann hören wir beispielsweise einen fetten Beat, dynamische Gitarrenriffs, atmosphärische Keyboardsounds, einen treibenden, akzentuierten Bass und dazu super entspannten Gesang, der bisweilen ins Flüstern fallen kann ohne dass das Playback an Druck verliert.

 

So klingt es im Übungsraum und auf den meisten Gigs, selbst bei Bands, die schon lange Musik machen eher selten.

Man kann einen guten Bandsound lernen wie das kleine Einmaleins oder einfache Akkorde auf der Gitarre. Warum klingen viele Bands dann dennoch so unausgewogen?

 

Im Idealfall treffen Musiker aufeinander, die alle das gleiche musikalische Ziel verfolgen. Und vielleicht sogar einen ähnlichen Musikgeschmack haben. Es sind schon mal gute Voraussetzungen, wenn alle Beteiligten zum Beispiel auf Rockabilly, Punk, Funk, Reggae oder Heavy Metal stehen. Dann treffen Musiker aufeinander, die eine gemeinsame Sprache sprechen, vielleicht auch auf die gleichen Bands stehen. Dann gibt es gemeinsame klangliche Referenzen.

 

Im echten Leben ist das aber eher selten der Fall. Man möchte Musik machen und in einer Band spielen. Da treffen dann ein Heavy- Gitarrist, ein Punk Drummer, ein Blues Bassist auf eine Sängerin, die Beyoncé super findet und alle großen Balladen von Whitney Houston. Für gewöhnlich diskutiert man ausgiebig seine Präferenzen, versucht sich gegenseitig musikalisch zu missionieren, sucht und findet einen Bandnamen, macht eine gemeinsame, bunte Repertoireliste, die nicht selten an einen Koalitionsvertrag erinnert und beginnt nach einer Probenphase, die auch schon mal fünf Jahre oder mehr dauern kann, mit den ersten Auftritten.

 

Über die Jahre investiert man viel Zeit, Energie und auch Geld in Equipment, aber es klingt irgendwie nie so, wie man sich das vielleicht gewünscht oder vorgestellt hat.

Im Grunde könnte man hier relativ einfach Abhilfe schaffen, indem man nur die Musik spielt, die einem hundertprozentig zusagt und sich hierfür die passenden Musiker sucht. Das klappt in der Regel nicht, was aber auch gut ist, denn aus unterschiedlichen Einflüssen entstehen aufregende neue Dinge.

 

Hier meine Tipps, die euch sofort zu einem besseren Bass- und Bandsound verhelfen!

 

Als Band seid ihr ein Team! Ob als Duo oder Big Band, orientiert euch an dem fragilsten Mitspieler in eurer Band. Zum Beispiel dem Gesang. Wenn der Gesang in der Strophe eigentlich flüsternd, erotisch, beschwörend klingen sollte, aber angestrengt, schreiend klingt, dann könnt ihr davon ausgehen, dass ihr zu laut seid! Macht also entweder den Gesang lauter oder spielt leiser!

Auch wenn du neben deinem Job, einmal die Woche so richtig ins Schlagzeug prügeln möchtest, um den Kopf frei zu bekommen, denk daran, dass deine Sängerin vielleicht eher Kopfschmerzen bekommt, wenn sie gegen eine Lärmwand anschreien muss.

Nehmt aus eurer Setliste einzelne Songs und analysiert die Lautstärkeverhältnisse zueinander. Bei Coverversionen ist das relativ einfach. Wo steht der Bass im Mix? Wo die Gitarre, das Schlagzeug? Wie klingt der Gesang darüber. Prägt euch Lautstärkeverhältnisse und Dynamiken ein. Macht euch Notizen auf euer Repertoireliste.

Viele Coverbands spielen zwar Songs „richtig“ kehren aber Lautstärkeverhältnisse soweit um, dass das Gefühl und die Stimmung von dem Song nicht mehr vermittelt werden. Verliert euch nicht in Details einzelner Licks, sondern versucht die Stimmung zu transportieren.

Seid Teamplayer! Kommt ein Gitarrensong, dann gönnt eurem Mitspieler den Moment und spielt unterstützend. Erinnert euren Gitarristen aber auch daran, dass er seine Lautstärke wieder drosselt, wenn ein Titel mit Fokus auf Gesang kommt.

Die Setliste ist häufig die Achillessehne einer Band. Man hat das selbst in Konzerten großer Stars erlebt, dass nach einem Lied, wo alle im Publikum mitgegangen sind, das Publikum plötzlich innehält, Feuerzeuge und Handys angehen und alle bei der großen Ballade mitsingen. Bei Amateur- und Semiprofessionellen Bands geht das meist nach hinten los. Der gewünschte große Moment auf dem Konzert entsteht nicht. Wenn ihr wisst, dass euer Drummer bei seiner Lieblingsnummer an Lautstärke und Tempo so richtig zulegt, dann spielt keine Ballade direkt danach. Ihr werdet die Ballade vermutlich zu laut und zu schnell spielen, weil der Drummer noch im Partymodus ist, was dem Sänger dann nicht gefällt. Gleiches gilt für gitarrenlastige Rocknummern. Danach ist es schwer überzeugend eine Ballade oder Funknummer zum Besten zu geben.

Ich weiß natürlich, dass es gerade Drummern und Gitarristen oftmals erst ab einer gewissen Lautstärke richtig Spaß macht zu spielen. Und diese Momente sollte es bei Proben und Auftritten auch geben, wo die Kollegen so richtig Gas geben können. Aber danach sollte man sich auch wieder resetten und den Abend als Band so bestreiten, dass alle mal zum Zug kommen können.

 

Es steht und fällt tatsächlich alles mit dem Sound, den wir als Band anbieten und gemeinsam kreieren. Auch die Tontechniker auf den Festivals oder Stadtfesten bügeln da nichts mehr hin, wenn wir zu sehr lärmen.

Viele Grüße

Detlev