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Musiker mit schlechtem Timing

Mit schlechtem Timing ist nicht gemeint, dass ein Musiker  zu spät zur Probe oder dem Auftritt kommt, sondern dass ein Musiker ungewollt und unbewusst  schneller oder langsamer wird, wenn er ein Lied spielt. Man kann Tempoveränderungen auch als Stilmittel in der Musik einsetzen, aber das ist ein anderes Thema.

Wenn man das Tempo verliert, weil die Spieltechnik nicht gut genug ist, dann ist das kein “Time- Problem”, sondern ein “Spieltechnik- Problem”. 

 

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass auch die besten Musiker durchaus Schwierigkeiten haben ein Tempo zu halten oder auch zu finden, wenn es nicht gerade in ihrem persönlichen “Wohlfühlbereich” liegt oder sie schlicht den Song nicht gut genug kennen.

 

Es gibt inzwischen ja einige Apps, die als Metronom und BPM- Finder gut funktionieren, dass man zumindest sauber anzählen kann. Aber das hindert Musiker nicht daran schneller zu werden, bis ein Song in den persönlichen “Wohlfühlbereich” angehoben wurde. Oder auch langsamer zu werden, was nach meiner Erfahrung aber eher seltener der Fall ist.

Ich glaube, dass jeder, vielleicht hängt das vom Typ, Charakter, Geschmack und Blutdruck ab, seine persönlichen Lieblingstempi hat. Deshalb mögen manche Leute eher schnelle Musik und andere Leute mögen eher langsame Musik.

Als Musiker muss man möglichst viele Tempi sicher spielen können. Zumindest von Adagio bis Allegro sollte das unfallfrei gehen, finde ich.

Meine favorisierten BPM sind so zwischen 90 und 110. Du kannst ja mal versuchen herauszufinden, was Dir besonders gefällt, liegt und zusagt.

Um möglichst eine verbindliche Time zu erreichen und zu halten benutze ich folgende “Tools”:

  • Kilck, akustisch oder Visuell (Handy- Apps, Looper, . . . ).
  • Ich schreibe auf die Setlisten BPM- Angaben, die von Drummern aber auch gerne ignoriert werden, weil deren Bauchgefühl gerade ein anderes Tempo vorgibt.
  • Ich zähle selbst an. Um ein Tempo herzuleiten singe ich im Kopf beispielsweise den Refrain oder die Melodie des Themas. Das klappt ganz gut. Das Bedarf aber etwas Routine, um Umgebungsgeräusche, Klatschen vom Publikum oder Nervosität auszublenden. 
  • Um ein Tempo zu überprüfen kann man auch gut auf den Gesang hören, wenn der sich überschlägt, dann ist man vermutlich zu schnell geworden.

Es gibt Tage da geht weniger. Das ist beim Sport, wie beim Musikmachen so. Um mal zu überprüfen, ob es ein Technik- oder Konzentration- Problem ist, das dich schneller oder langsamer werden lässt, könntest du folgendes probieren: Nimm ein Tempo, das dir liegt, beispielsweise 100 BPM. Und dann spielst du 16tel auf einer Note während du synchron “Doppeldecker” sagst. “Doppeldecker” steht für die vier 16tel- Noten. Das Tempo kannst du beliebig für dich anpassen. Wenn du synchron beides hinkriegst, dann ist das super. Können die Finger deinem gesprochenen “Doppeldecker” nicht folgen, dann ist es ein Spieltechnik- Problem. Bekommst du das “Doppeldecker” nicht auf das Metronom, den Beat gesprochen, dann hast du ein Konzentrationsproblem, vielleicht der Tagesform geschuldet oder noch Defizite darin Rhythmus zu verstehen oder anzuwenden.

 

Okay Timekeeper, hab einen schönen Tag! 

Detlev Gebers #bass