Wir sind eine gute Band ohne Gigs – warum bekommen wir keine Auftritte?

Band-Booking: Warum viele gute Bands keine Gigs bekommen

Erfolgreiches Band-Booking ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer klaren Positionierung und einer strategischen Akquise, die weit über die rein musikalische Qualität hinausgeht. Dieser Blog für Musiker richtet sich an alle Bands und Musiker, die mehr und bessere Gigs spielen wollen.

 

In Bands war ich oft nicht nur der Bassist, sondern habe mich auch um das Band-Booking gekümmert und hunderte Gigs akquiriert. Zudem habe ich das Künstler-Booking für gastronomische Betriebe betreut und kenne so beide Seiten: die der Musiker und die der Gastronomen. Das Wissen darüber, warum manche Bands gebucht werden und andere nicht, habe ich in meinem Buch auf 399 Seiten aufgeschrieben.

 

Wenn du lernen möchtest, wie du Gigs für dich oder eine Band bekommen kannst, dann klicke hier: Das Musiker-Geschenk: Mehr Gigs & bessere Auftritte

Bands für Gigs gesucht

Teil 1 einer Serie über Booking für Amateurbands.

Hier findest du Teil 2: „Warum das Band-Booking im Proberaum scheitert – Zielkonflikte in der Band“

 

Die gute Nachricht vorweg: Ohne all die vielen Amateurmusiker, die solo oder in Hobbybands spielen, würde es in Deutschland nicht genug Musiker geben, um all die Stadtfeste, Kneipen, Weinfeste, Hochzeiten und sonstigen Veranstaltungen mit Livemusik zu versorgen.

Der Bedarf an Livemusik ist grundsätzlich da. Trotz DJs und Streaming-Playlisten werden nach wie vor echte Musiker gesucht.

 

Warum gibt es dann trotzdem so viele Bands, die zwar gut spielen können, aber kaum Auftritte bekommen?

 

Die Antworten darauf hören viele Musiker nicht gerne, weil sie unbequem sind.

Es ist ein bisschen so wie bei jemandem, der abnehmen möchte und behauptet, wirklich alles dafür zu tun. Auf Nachfrage stellt sich dann heraus: morgens die Zimtschnecke vom Bäcker, mittags Fast Food, abends Bier auf dem Sofa und für Sport ist keine Zeit.

 

Eigentlich weiß die Person selbst ziemlich genau, woran es liegt.

Aber der Hinweis darauf wird selten begeistert aufgenommen.

 

Bei Bands ist das sogar noch schwieriger, weil es nicht um eine einzelne Person geht, sondern um eine Gruppe.

Wie Amateurbands entstehen und warum das Booking oft scheitert

Fangen wir vorne an.

 

Die wenigsten Bands entstehen strategisch. Meistens sucht irgendjemand Mitmusiker, man versteht sich menschlich einigermaßen gut, musikalisch passt es halbwegs und irgendwann steht man gemeinsam im Proberaum. Genau hier beginnt oft schon das eigentliche Problem. 

Von Abba bis Zappa – wie zufällige Setlisten entstehen

Wenn Bands auf diese Weise entstehen, gibt es meist keine gemeinsame musikalische Richtung. Jeder bringt eigene Vorlieben und Wünsche mit, und im Proberaum entsteht daraus das Band-Repertoire. 

 

Songs werden aufgenommen, weil der Gitarrist sie schon immer gespielt hat, andere, weil sie allen zumindest halbwegs gefallen oder gut spielbar sind. Häufig entsteht dabei auch ein klassisches Geben und Nehmen: Wir spielen diesen oder jenen Song, dafür kommt auch die Lieblingsballade der Sängerin ins Programm.

 

So entsteht kein bewusst geplantes Repertoire, sondern eine Song-Sammlung, die aus vielen kleinen Kompromissen zur Band-Setliste wird – und oft über Jahre hinweg genau so gespielt wird.

Zu viel auf der Karte und kein Konzept

Für regelmäßige Auftritte funktioniert so ein Konzept allerdings oft deutlich schlechter.

Denn das Programm hat keinen klaren roten Faden.

Es ist von allem etwas dabei, aber nichts richtig.

 

So ähnlich wie ein Restaurant mit 50 Gerichten auf der Karte: etwas asiatisch, etwas italienisch, etwas griechisch und irgendwo noch Schnitzel mit Bratkartoffeln. Jeder findet vielleicht irgendetwas, aber nichts davon ist wirklich klar.

 

Bei Bands ist das oft ähnlich.

 

Die Deep-Purple-Songs funktionieren instrumental vielleicht richtig gut, aber die Sängerin kämpft mit den Tonarten. Die Schlagernummern passen besser zur Stimme, aber die Band groovt nicht so, dass Discofox-Fans wirklich tanzen wollen. Manche Songs funktionieren ordentlich, andere eher gar nicht.

 

Das Ergebnis ist oft eine Setlist aus Kompromissen.

Und genau das ist einer der Hauptgründe, warum viele Amateurbands zwar regelmäßig proben, aber trotzdem kaum Gigs bekommen.

Aus Sicht des Veranstalters

Denn Veranstalter denken anders als Musiker.

Ein Veranstalter überlegt nicht zuerst:

„Sind die Musiker nett?“

Oder:

„Haben die Spaß zusammen?“

Sondern:

„Funktioniert das auf meiner Veranstaltung?“

 

Auf einem Event mit Livemusik sollen Leute vor der Bühne bleiben, essen, trinken und im besten Fall feiern oder tanzen. In einer Kneipe sollen Gäste länger bleiben, essen und trinken und dafür sorgen, dass der Wirt Umsatz macht.

 

Viele Amateurbands wirken musikalisch wie ein Kompromiss aus den Vorlieben aller Beteiligten.

 

Das kann im Proberaum völlig okay sein.

 

Für regelmäßige Auftritte reicht es allerdings oft nicht. 

Was das für deine Band bedeutet

Ein erster Schritt zu mehr Gigs ist also, sich darüber klar zu werden, wofür man musikalisch eigentlich steht. Denn erst dadurch wird es möglich, gezielt passende Auftritte zu finden, statt einfach nur auf Gelegenheiten zu hoffen.

Fragen an dich und deine Band

  • Welchen Stil spielt eure Band?
  • Könnt ihr euer Programm und das, wofür ihr als Band steht, in einem Satz beschreiben?
  • Ist eure Musik zum Tanzen geeignet?
  • Macht ihr Stimmung und könnt ihr das Publikum aktiv mitnehmen?
  • Könnt ihr so dezent spielen, dass sich Gäste und Publikum während eures Auftritts noch unterhalten können?
  • Ist eure Musik zum aktiven Zuhören geeignet, um ein musikalisch anspruchsvolles Publikum zu unterhalten?
  • Zu welchen Anlässen passt eure Musik am besten (Clubgigs, Stadtfeste, private Feiern usw.)?
  • Würde ein Veranstalter, Booker oder Gastwirt sofort verstehen, für wen ihr spielt, wer euer Publikum ist und zu welchen Veranstaltungen ihr passt?
  • Was ist der Mehrwert für den Veranstalter, wenn ihr auftretet?
  • Könnt ihr eigenes Publikum ziehen, wenn ihr auftretet (Fans, Familie, Bekannte, Freunde)?

Was du aus diesen Fragen für deine Band mitnehmen kannst

Das Ziel dieser Fragen ist nicht, deine Band zu bewerten, sondern dass du euer Programm und eure Setliste einmal bewusst reflektierst. So kannst du besser einordnen, ob ihr ein klares musikalisches Angebot habt oder eher ein zufällig entstandenes Repertoire spielt, in dem gefühlt alles im Programm vorkommt und Veranstalter Schwierigkeiten haben zu erkennen, für welchen Anlass oder Zweck man euch überhaupt buchen sollte.

 

Wenn du einzelne Fragen mit Nein beantwortest, ist das kein Problem. Entscheidend ist die bewusste Einordnung: Es gibt unterschiedliche Arten von Live-Acts im Amateurmusikbereich – von tanzbaren Partybands bis hin zu Musik, die eher im Hintergrund oder nebenbei stattfindet. Wenn du eigene Songs spielst, kann das auch bedeuten, dass Menschen gezielt zu euren Konzerten kommen, um eure Musik bewusst zu hören. Jazz oder Klassik wiederum richtet sich meist an ein sehr aufmerksames Publikum, das diese Musik bewusst genießen möchte.

 

Das wichtigste Learning aus diesem Abschnitt ist, dass du dein Repertoire einmal unter diesen Gesichtspunkten betrachten solltest und idealerweise auch mit deiner Band, deinen Mitmusikern, darüber sprichst, um ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln. Denn wenn ihr gebucht werden möchtet, gibt es im Kern zwei Möglichkeiten: Entweder Menschen kommen gezielt wegen euch und eurer Musik. Oder ihr löst als Band ein konkretes „Problem“ für jemanden, der eine Veranstaltung plant und dafür eine passende musikalische Dienstleistung sucht.

 

Sobald du diese Selbsteinschätzung für dich oder deine Band realistisch vorgenommen hast, ist der wichtigste Schritt zur klaren Positionierung getan. Wie du im nächsten Schritt regelmäßig gute Gigs bekommen kannst und eigene Veranstaltungen organisierst, lernst du in meinem Buch „Das Musiker-Geschenk“.

Mehr zum Thema im Buch „Das Musiker-Geschenk“

Cover des Buches „Das Musiker-Geschenk“ – Praxis-Guide für Hobbymusiker und Bands
Das Musiker-Geschenk – Praxis-Guide für mehr und bessere Gigs

„Das Musiker-Geschenk“ ist ein Praxis-Guide für Hobbymusiker und Bands, die mehr und bessere Auftritte bekommen und ihre Musik gezielt weiterentwickeln wollen – von Booking über Bandorganisation bis hin zu Sound und Sichtbarkeit.

Das erwartet dich im Buch:

  • Einstieg & Equipment: Welche Skills und Technik du wirklich brauchst
  • Booking & Gigs: Auftritte organisieren und Gagen verhandeln
  • Band-Business: GEMA, GVL, Rechnungen und Bandkasse verstehen
  • Zusätzliche Einnahmen: Geld verdienen durch Gigs, Unterricht und eigene Konzepte
  • Sichtbarkeit: Website, Social Media und professionelles EPK nutzen
  • Sound & Performance: Bessere Proben, Setlists und Live-Sound
  • Management: Die passenden Mitmusiker finden und Projekte aufbauen
  • Release-Strategie: Musik professionell auf Spotify und CD veröffentlichen

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