Warum beim Band-Booking der Frust oft vorprogrammiert ist
Willkommen zum dritten Blog zum Thema Booking für Amateurbands. Wenn du die ersten beiden Teile noch nicht gelesen hast, kannst du das hier direkt nachholen:
Link zu Teil 1: Wir sind eine gute Band ohne Gigs – warum bekommen wir keine Auftritte?
Link zu Teil 2: Warum das Band-Booking im Proberaum scheitert – Zielkonflikte in der Band
In Teil 1 ging es darum, dass viele Bands ein sehr beliebiges Programm haben. Der Grund ist oft: Man ist froh, überhaupt Mitmusiker gefunden zu haben, und geht deshalb innerhalb der Band bei Stil, Sound und Songauswahl viele Kompromisse ein. Aus diesen Kompromissen entsteht ein Repertoire, das keinen klaren roten Faden hat. Für Veranstalter fehlt dadurch häufig ein erkennbares Band-Profil, wodurch attraktive Gigangebote selten sind.
Teil 2 beschreibt ein Phänomen, das viele Musiker kennen, die in einer Band spielen: Alle stimmen zu und sind begeistert, wenn im Proberaum der Wunsch nach mehr Gigs aufkommt. Sobald dann erste konkrete Anfragen oder Termine im Raum stehen und Veranstalter auf eine schnelle und verbindliche Rückmeldung warten, zeigt sich, wie unterschiedlich die Musiker das Thema „Gigs“ für sich priorisieren. Innerhalb der Band können oder wollen manche einfach nicht so viel Zeit, Energie und Verbindlichkeit investieren wie andere. Genau an diesem Punkt wird sichtbar, dass der Wunsch nach mehr Gigs nicht konsequent zu Ende gedacht wurde.
Diese unterschiedlichen Erwartungen und Realitäten innerhalb der Band führen dann dazu, dass Rückmeldungen zu Gigangeboten nur schleppend und zäh beantwortet werden können. Im schlimmsten Fall führt das dazu, dass derjenige, der sich um das Booking kümmert, bei Veranstaltern als unzuverlässig wahrgenommen wird und damit seinen eigenen Namen beschädigt.
Band-Booking ist “Macher-Sache”
In fast jeder Band gibt es die eine Person, die sich um fast alles kümmert, was die Band betrifft – vom Organisatorischen über die Gig-Akquise bis hin zum Schreiben von Setlisten und mehr: der Macher.
Um ehrlich zu sein, habe ich mein Buch „Das Musiker-Geschenk“ genau für die geschrieben, die Macher sind. Musiker, die sich im Proberaum wohler fühlen als auf der Bühne – was absolut okay ist – sind in der Regel nicht die Personen, die sich um Booking, Organisation und Umsetzung kümmern und beschäftigen sich mit solchen Themen oft auch nicht weiter.
Wenn jemand in einer „Kellerband“ spielt, die eigentlich gar nicht auftreten will, sondern sich nur zum regelmäßigen Proben trifft und niemanden in den eigenen Reihen hat, der diese organisatorische Rolle übernimmt, dann kann diese Band lange zufrieden zusammen im Proberaum Musik machen und hin und wieder einen Gig spielen, der sich einfach so ergibt. In dieser Konstellation funktioniert das, weil kein gemeinsames Ziel in Richtung regelmäßiger Auftritte besteht.
Unzufriedenheit entsteht oft erst dann, wenn deutlich wird, wie unterschiedlich Erwartungen, Wünsche und Vorstellungen innerhalb der Band sind. Bei den einen ist es ein Hobby ohne große Priorität, bei anderen ist das Musikmachen eine echte Leidenschaft, die mit dem Wunsch nach regelmäßigen öffentlichen Auftritten verbunden ist.
In Teil 2 meiner Blog-Serie habe ich dich gefragt, wie du dich selbst einordnen würdest.
Zur Erinnerung: Wo würdest du dich selbst einordnen?
Der ambitionierte Antreiber, also der Macher, sieht die Band als semiprofessionelles Projekt. Für ihn bedeutet Erfolg, mindestens 20 bis 30 Gigs im Jahr zu spielen.
Der Feierabend-Musiker mit Leidenschaft nutzt die Band vor allem als Ausgleich zum Job. Er genießt die gemeinsamen Proben und hat keine finanziellen Interessen, die er an sein Hobby Musik knüpft.
Der Proberaum-Musiker liebt das wöchentliche gemeinsame Musizieren und das Fachsimpeln über Equipment. Der Stress von Transport, Soundcheck, nächtlichem Abbau und das Lampenfieber bei Auftritten vor Publikum belasten ihn insgeheim. Für ihn ist der Proberaum sein Safespace – das eigentliche Ziel, nicht das Live-Konzert.
Der Amateurmusiker mit zu vielen Verpflichtungen hat mit den wöchentlichen Proben meist kein Problem. Alles ist organisiert und geplant – aber auch verplant. Für Gigs bleibt wenig Raum, weil Wochenenden, Feiertage und Ferien meist lange im Voraus belegt sind.
Einen Musiker-Typ habe ich hier übrigens bewusst ausgelassen: den selbsterklärten Profimusiker, der in vielen Bands spielt und sich regelmäßig in seinen eigenen Terminen und Verpflichtungen verzettelt. Obwohl wir diesen Typen in vielen deutschen Hobby- und Amateurbands finden, konzentriere ich mich hier auf die oben genannten. Auf unseren „Profi-Musiker“ kommen wir in weiteren Blogs noch zurück.
Alle diese Konstellationen können sehr lange gut funktionieren und gemeinsam zufrieden im Proberaum Musik machen – solange kein ambitionierter Antreiber, also der „Macher“, mit in der Band ist.
Die Probleme entstehen meist dadurch, dass der Macher fälschlicherweise davon ausgeht, dass die anderen in der Band das Thema mindestens so ambitioniert verfolgen wie er selbst.
Im vorherigen Blog habe ich dir bereits eine Strategie vorgestellt, wie Druck aus dem Band-Kessel genommen werden kann, indem man Termine in der Region sucht, die jedes Jahr fest gesetzt sind. Zum Beispiel Weinfeste, Stadtteilfeste oder andere regelmäßige Events wie die „Nacht der Clubs“.
Diese Terminideen nimmt man mit zur Probe und fragt alle in der Band, ob sie an diesen Terminen könnten, wenn man sich um das Booking kümmert. Die Antworten müssen dabei unbedingt verbindlich sein: kein Hinhalten und kein „mal schauen“, ob es passt, sondern klare Zu- oder Absagen.
Wenn alle diese Termine gut finden und mitziehen wollen, ist der erste Schritt, sie fest zu blocken. Erst danach beginnt die Gig-Akquise – nicht umgekehrt.
Wenn du der Macher in deiner Band bist oder sein willst, kannst du zukünftigen Frust vermeiden, indem ihr ehrlich darüber sprecht, was in Sachen Gigs tatsächlich realistisch möglich ist und mit welchen Erwartungen alle wirklich leben können.
Wenn man eine Band fragt, woran es liegt, dass keine oder nur wenige Auftritte im Terminkalender stehen, kommen häufig Antworten wie: man sei noch nicht so weit, man müsse erst noch mehr proben oder es gebe noch zu wenig gemeinsames Repertoire.
Der Macher versteht an dieser Stelle seine Mitmusiker oft falsch. Er geht davon aus, dass der Proberaum-Musiker, der eigentlich gar nicht unbedingt auf die Bühne will, ebenso begeistert von regelmäßigen Gigs ist – und dass die Sängerin, die ihre Urlaube und Familienfeiern ein Jahr im Voraus plant, schon Zeit haben wird, sobald das Programm steht.
Diese Annahme ist falsch und erzeugt Frust auf beiden Seiten.
Eine ebenso häufige Antwort auf die Frage, warum eine Band nur selten Gigs hat, ist, dass sich niemand wirklich darum kümmert.
Wenn du jetzt denkst, dass deine Band dieses Problem nicht hat, weil du dich darum kümmerst, ist das großartig – du bist der Macher. Trotzdem kann es passieren, dass du irgendwann genau in diese Situation kommst und frustriert bist, weil die Band nicht so mitzieht, wie du es erwartest, obwohl ihr euch vermeintlich einig seid.
An dieser Stelle ist es wichtig, ein paar Wahrheiten zu akzeptieren. Musiker sind sich in Gesprächen oft sehr schnell einig: dass es grooven muss, dass man mehr Gigs spielen sollte, dass man besser werden will oder dass Gagen fair sein müssen. Doch was das konkret bedeutet und wie diese Ziele umgesetzt werden, ist von Person zu Person sehr unterschiedlich.
Der Proberaum-Musiker wird der Idee nach mehr Gigs vermutlich zustimmen. Er wird auch nicht als jemand auftreten, der die Band ausbremst, und er wird selten offen sagen, dass ihm der Proberaum eigentlich lieber ist als die Bühne.
Er wird aber häufiges Nachfragen zu Terminen oder Verfügbarkeiten als Druck empfinden und entsprechend reagieren. Das löst beim Macher oft Unverständnis aus, weil dieser einfach schnelle und verbindliche Antworten erwartet.
Wenn du der Macher in deiner Band sein willst, merke dir: Das Problem ist meist nicht fehlender Wille, sondern dass Menschen dieselben Worte benutzen, aber Unterschiedliches meinen.
Was das für dein Band-Booking bedeutet
Die wichtigste Aufgabe des Machers ist deshalb nicht das Booking selbst, sondern zuerst zu verstehen, was in der eigenen Band realistisch möglich ist. Wie viele Auftritte sind pro Jahr realistisch? Welche Termine sind überhaupt machbar? Wie viel Zeit, Energie und Verbindlichkeit kann jeder investieren? Erst wenn diese Fragen ehrlich beantwortet sind, ergibt Booking überhaupt Sinn. Der Fehler vieler Macher besteht darin, direkt mit der Gig-Akquise zu beginnen, bevor klar ist, was überhaupt realistisch umsetzbar ist.
Wenn du feststellst, dass dir das, was in deiner aktuellen Band möglich ist, nicht reicht, kannst du natürlich überlegen, was du verändern möchtest, um deine Ziele zu erreichen.
Aus Erfahrung kann ich dir sagen: Es wird nicht funktionieren, deine Vorstellungen auf eine gesamte Band zu übertragen, wenn dort sehr unterschiedliche Typen mit unterschiedlichen Prioritäten zusammenkommen.
Ein häufiger Fehler ist, dass einzelne Musiker – manchmal sogar nur einer – vorschnell Gigs an Land ziehen, obwohl nicht alle wirklich im Boot sind. Eine Band ist kein abstraktes Konstrukt, sondern besteht aus Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensrealitäten, Prioritäten und Zeitbudgets.
Der entscheidende Punkt ist deshalb nicht, ob alle grundsätzlich „mehr Gigs“ gut finden, sondern ob alle unter denselben Bedingungen tatsächlich bereit sind, das auch umzusetzen.
Wenn du als Macher langfristig frustriert bist, liegt das selten daran, dass deine Mitmusiker nicht wollen. Es liegt vielmehr daran, dass „wollen“ in einer Band unterschiedlich gemeint ist.
Und genau deshalb beginnt gutes Band-Booking nicht mit der Suche nach Auftritten – sondern mit einem ehrlichen Blick darauf, was in der eigenen Band überhaupt realistisch möglich ist.
Und jetzt du:
Erkennst du die Situation in deiner Band wieder?
Oder anders gefragt: Wo entstehen bei euch gerade die größten Unterschiede zwischen Erwartung und Realität?
Wenn du magst, schreib es mir in die Kommentare – ich lese alles und antworte, wo es passt.
Wenn du das Thema weiter vertiefen willst, geht es in meinem Buch „Das Musiker-Geschenk“ genau darum, wie du als Macher realistische Ziele mit deiner Band entwickelst und daraus Schritt für Schritt mehr passende Gigs entstehen.
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